HeLB

Wissenschaftliche Begleitforschung im Modellprojekt Helfen.Lotsen.Beraten (HeLB) des donum vitae Bundesverbandes (2019-2022)


Das Institut für E-Beratung führt die wissenschaftliche Begleitforschung und Evaluation des Modellprojektes „HeLB – Helfen. Lotsen. Beraten.“ des donum vitae Bundesverbandes durch.
Ziel des Projektes ist die Erprobung neuer, multipler Beratungszugänge zu schwer erreichbaren und besonders vulnerablen Zielgruppen in der Schwangerschaftsberatung mit Schwerpunkt im ländlichen Raum. Schwer erreichbaren Frauen und gegebenenfalls ihren Familien soll dadurch ein geschützter und zugleich möglichst einfacher und niedrigschwelliger Zugang zu den Beratungsangeboten von donum vitae ermöglicht werden. „HeLB“ wird gefördert durch das Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ). Das Modellprojekt ist im Mai 2019 gestartet und hat eine Laufzeit von 3 Jahren.
Das Institut für E-Beratung unterstützt und berät den Verband bei der Durchführung und Implementierung von innovativen Beratungsansätzen, die im Projekt sowohl in aufsuchender, als auch in digitaler Form als Erweiterung der Präsenzberatung angeboten werden. Neben den Spezifika des ländlichen Raums werden auch weitere Aspekte der erschwerten Erreichbarkeit in den Fokus genommen, wie etwa sprachliche und raumwirksame Barrieren, die die gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit Behinderung oder Erkrankung beeinträchtigen.
Neben neuen Beratungsansätzen untersucht und evaluiert die wissenschaftliche Begleitforschung auch den Fort- und Weiterbildungsbedarf der Beratungsfachkräfte von donum vitae im Kontext der Weiterentwicklung des Gesamtverbands.

 

 „Beratung, die ankommt! Multiple Zugänge in die Schwangerschaftsberatung“

Online-Fachtagung im Rahmen des Projektes „HeLB – Helfen.Lotsen.Beraten“

Rund 300 Teilnehmer*innen diskutierten am 25. Februar 2021 auf einer virtuellen Plattform über die Möglichkeiten, mit einem Mix aus online- und offline-Formaten einen individuellen und passgenauen Beratungsprozess zu erreichen. Im Fokus standen neben ersten Erkenntnissen der wissenschaftlichen Begleitung die Zugänge zu schwer erreichbaren Zielgruppen.

Im Eröffnungsvortrag präsentierte Prof. Dr. Robert Lehmann, Akademischer Leiter des Instituts für E-Beratung, erste Ergebnisse der Begleitforschung. „Ein individualisierter Mix an Formaten“, so Prof. Lehmann, „ermöglicht die bessere Erreichbarkeit der unterschiedlichen Zielgruppen“. Die individuellen Bedarfe seien dabei noch heterogener, als die unterschiedlichen Bedarfe der jeweiligen Zielgruppen. „Die Erfahrungen aus HeLB zeigen darüber hinaus“, so Marion Bradl M.A., wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für E-Beratung und Koordinatorin der Begleitforschung von HeLB, „dass kontinuierliche Netzwerkarbeit ein wichtiger Faktor für den nachhaltigen Kontaktaufbau zu neuen, schwer erreichbaren Zielgruppen ist.“

Fachtagung_HeLB_Vortrag_Begleitforschung_02-2021

Moderatorin Valeria Äbert im Gespräch mit Prof. Dr. Robert Lehmann und Marion Bradl M.A. vom Institut für E-Beratung der TH Nürnberg

Die Zwischenergebnisse der Begleitforschung fanden ihre Bestätigung auch in den Erfahrungsberichten und Diskussionen der Workshops. Hier informierten die Referent*innen über die Voraussetzungen im ländlichen Raum sowie die verschiedenen Bedarfe und Ressourcen von Menschen mit Lernschwierigkeiten, Migrations- oder Fluchthintergrund, geringer Literalität und psychischen Beeinträchtigungen. Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass verschiedenen Zielgruppen die Angebote unterschiedlich annehmen: Gering literalisierte Menschen benötigen Präsenzberatung, Menschen mit Beeinträchtigungen fehlt häufig der digitale Zugang. Die Beratungsformate müssen also sinnvoll miteinander verknüpft werden.

Blended Counseling in der Schwangerschaftsberatung

„Hier zeigt sich auch, wie wichtig Blended Counseling ist: die Möglichkeit, unterschiedliche Beratungsformate – angepasst an die jeweilige Situation – anbieten zu können“, sagte die donum vitae-Beraterin Lina Schulze vom HeLB-Pilotstandort Rostock in der Diskussion. „Von der Präsenz- über die aufsuchende bis hin zur Video- und schriftbasierten Onlineberatung ermöglichen die Berater*innen in Kooperation mit Netzwerkpartnern eine passgenaue Unterstützung.“ Auch in Zeiten der Corona-Pandemie ist so eine verlässliche Beratung und Unterstützung gewährleistet.

Austausch mit den HeLB-Beraterinnen Lina Schulze und Luise Paulmann, Projektleiterin Petra Schyma sowie Annika Koch von donum vitae

Film und Projektmaterial

Ein Film zum Projekt sowie weiteres Material zur Fachtagung sind auf der Internetseite von donum vitae abrufbar: https://www.donumvitae.org/fachtagung-zielgruppen

Mai 2021 – Erste Zwischenergebnisse aus den Denkwerkstätten

In sogenannten Denkwerkstätten, Workshops mit ausgewählten 8 Teilnehmer*innen aus der Zielgruppe, erprobt und erarbeitet das Projektteam der Digital Immigrants von Januar bis Juli 2021 Lehr-Lernmaterialien zur digitalen Grundbildung für Menschen mit Zuwanderungsgeschichte. Die Evaluationsergebnisse des ersten Teils der Denkwerkstätte verweisen auf die beiden bisher größten Herausforderungen bei der Erprobung und Entwicklung der Module zur digitalen Grundbildung für Menschen mit Zuwanderungsgeschichte: Die pandemiebedingten Veränderungen der Projektdurchführung und die methodisch-didaktische Herausforderungen, die sich aus der Verbindung des heterogenen digitalen Kompetenzniveaus und der heterogenen Sprachniveaus ergeben. Die Zwischenevaluation liefert zudem auch wichtige Hinweise über förderliche Kriterien und Methoden für eine erfolgreiche Durchführung der Workshops und die gemeinsame Erarbeitung der Inhalte und Materialien für die Toolbox.

Grafik zum Projekt Digital Immigrants © Stadt Nürnberg